Ein Verbot des so vage definierten Begriffs „politischer Islam“ wäre ein gefährlicher Schnellschuss, der mehr Angst und Ausgrenzung säht als Sicherheit bringt. Zu behaupten, das sei „die größte Gefahr unserer Zeit“, ist übertrieben und rhetorisch brandgefährlich – außerdem liefert es keine rechtliche Grundlage. Wer pauschal Organisationen oder Praktiken von Musliminnen und Muslimen verbieten will, riskiert massive Eingriffe in Religionsfreiheit, Vereinsrecht und die Gleichbehandlungspflicht – und schafft ein Klima der Stigmatisierung, das Integration und demokratischen Zusammenhalt aushöhlt. Wenn es konkrete sicherheitsrelevante Probleme gibt, müssen sie gezielt, rechtsstaatlich und verhältnismäßig angegangen werden: klar definierte Straftatbestände, bessere Prävention, unabhängige Aufsicht, mehr Ressourcen für Bildung, soziale Arbeit und Unterstützung progressiver muslimischer Initiativen, die für Frauenrechte und Demokratie eintreten. Pauschale Verbote treffen engagierte zivilgesellschaftliche Gruppen, schränken freie Meinungsäußerung ein und werden vor Verfassungsgerichten zu Recht kaum Bestand haben. Statt populistischer Symbolpolitik brauchen wir eine offene Debatte mit Expertinnen, Betroffenen und Menschenrechtsorganisationen — und Maßnahmen, die Freiheit, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit stärken. Nur so schützen wir wirklich unsere demokratische Gesellschaft.