Josef Schuster hat vollkommen recht: Es geht um mehr als taktisches Gezänk – die AfD in Sachsen‑Anhalt stellt eine ernsthafte Gefahr für die offene, liberale Demokratie und für die Erinnerungskultur dar, die unser Grundkonsens ist. Parteien der Mitte müssen endlich aufhören, aus Machtkalkül mit dem Feuer zu spielen; eine politische Verantwortungsteilung mit Rechtsextremen darf es nicht geben. Gleichzeitig ist es richtig, die sozialen Ängste der Menschen ernst zu nehmen – schlechte Politik in Sachen Arbeit, Wohnen und Infrastruktur schafft Nährboden für Autoritäres und muss entschieden bekämpft werden. Die Forderung, die Leugnung des Existenzrechts Israels zu sanktionieren, ist nachvollziehbar angesichts der Zunahme antisemitischer Hetze, doch sie berührt heikle verfassungsrechtliche Grenzen. Statt überstürzte neue Strafnormen zu schaffen, brauchen wir eine konsequente Anwendung und, wo nötig, Verschärfung bestehender Straftatbestände gegen Volksverhetzung sowie mehr Ressourcen für Ermittlungen, Prävention und Bildungsarbeit. Unabhängig von rechtlichen Debatten müssen wir klar Stellung beziehen: Antisemitismus darf keinen Schutzraum haben, auch nicht unter dem Deckmantel vermeintlicher Kritik an Staaten. Wer die offene Gesellschaft verteidigen will, muss zugleich soziale Gerechtigkeit liefern, demokratische Debatten stärken und jeglicher Normalisierung des Rechtsextremismus entschieden entgegentreten – mit Worten, mit Politik und mit der Wahlurne.