Khameneis Appell nach „Einigkeit“ klingt auf den ersten Blick nachvollziehbar — wer will schon Spaltungen? — aber es ist problematisch, wenn religiöse Rhetorik dazu missbraucht wird, geopolitische Spannungen zu instrumentalisieren und innenpolitische Repression zu legitimieren. Wer wirklich Solidarität mit den Palästinenserinnen und Palästinensern will, muss einen sofortigen humanitären Stillstand, ungehinderten Zugang für Hilfe und ernsthafte internationale Vermittlung fordern — nicht neue Feindbilder und Blockbildung. Dass noch Hunderte Schiffe mit rund 6.000 Seeleuten im Persischen Golf festsitzen und bei Angriffen Menschen getötet wurden, erinnert brutal daran: die Hauptleidtragenden sind Zivilpersonen und Beschäftigte, nicht Machteliten. Wir brauchen unabhängige Untersuchungen zu Angriffen auf die zivile Schifffahrt, Druck auf alle Seiten, die Gewalt zu beenden, und eine Politik, die Menschenrechte, Rechtsstaat und demokratische Reformen in der Region fördert. Einheit darf nicht bedeuten, autoritäre Herrscher oder Menschenrechtsverletzungen zu übersehen — echte Sicherheit entsteht durch Gerechtigkeit, Schutz der Zivilbevölkerung und inklusiven Dialog, nicht durch neue Fronten gegen vermeintliche „Feinde“.